Historisches Textilhandwerk · Oldenburg

Farben aus Holz und Rinde gewinnen

In unserer Werkstatt lernen Sie, wie heimische Hölzer und Rinden seit Jahrhunderten als natürliche Farbquellen genutzt wurden. Kochen Sie Farbsude, bereiten Sie Beizen vor und färben Sie Wolle und Leinen nach historischen Vorlagen.

Pflanzenfärben mit natürlichen Farbsuden aus heimischen Hölzern
Innenansicht der Werkstatt mit Farbkesseln und Naturmaterialien

Wo altes Wissen lebendig bleibt

Die Lora VMor Lab Werkstatt in Oldenburg beschäftigt sich mit der systematischen Erschließung historischer Färbetechniken. Nicht als museale Rekonstruktion, sondern als handwerkliche Praxis, die sich anfassen und ausprobieren lässt.

Seit Jahrhunderten extrahierten Handwerker Farben aus Eichenrinde, Birkenholz, Erlenzapfen und anderen heimischen Gewächsen. Dieses Wissen geriet mit der industriellen Produktion synthetischer Farbstoffe weitgehend in Vergessenheit. Wir dokumentieren, erproben und vermitteln es.

Jede Lektion entsteht aus der Verbindung von historischen Quellen und praktischer Erfahrung am Kessel. Das Ergebnis ist ein Lernformat, das Theorie und Handwerk unmittelbar verknüpft.

Heimische Pflanzen und Hölzer aus der Region
Traditionelle Kochverfahren nach historischen Quellen
Werkstatt in Oldenburg, Huntestraße 5

Handwerk von der Quelle bis zur Faser

Unsere Kursinhalte folgen dem natürlichen Prozess der Pflanzenfärbung. Vom Sammeln und Aufbereiten der Rohstoffe bis zum fertigen, farbigen Textil lernen Sie jeden Schritt kennen.

Rohstoffe bestimmen und sammeln

Eichenrinde, Birkenblätter, Erlenzapfen, Walnussschalen, Zwiebelschalen und mehr. Sie lernen, welche heimischen Materialien welche Farbtöne erzeugen und wie man sie richtig erntet und konserviert.

Farbsude kochen

Das Kochen des Farbbades ist das Herzstück der Pflanzenfärbung. Temperatur, Kochzeit, Wasserhärte und die Menge des Pflanzenmaterials beeinflussen das Ergebnis. Wir erklären die Zusammenhänge und üben gemeinsam.

Natürliche Beizen einsetzen

Beizen wie Alaun, Eisenvitriol oder Weinstein sorgen dafür, dass die Farbe dauerhaft in die Faser einzieht. Jede Beize verändert den Farbton auf andere Weise. Sie verstehen, warum historische Färber so viele verschiedene Rezepte kannten.

Wolle und Leinen färben

Tierische und pflanzliche Fasern nehmen Pflanzenfarben unterschiedlich auf. Wolle reagiert lebhafter, Leinen braucht mehr Vorbereitung. Sie üben das Einlegen, Einziehen und Spülen an echten Materialien.

Historische Quellen lesen

Wir arbeiten mit Auszügen aus historischen Färbehandbüchern des 16. bis 19. Jahrhunderts. Das Lesen und Übersetzen dieser Quellen ist Teil des Lernprozesses und gibt dem Handwerk seinen historischen Kontext.

Farbproben dokumentieren

Jede Kursteilnehmerin, jeder Kursteilnehmer legt eine persönliche Farbpalette an. Diese Mustersammlung dient als Referenz für eigene Projekte und als Dokumentation der eigenen Lernerfahrung.

Lernformate für verschiedene Erfahrungsstufen

Ob Sie gerade erst beginnen oder bereits Vorkenntnisse im Textilhandwerk mitbringen - unsere Kurse sind inhaltlich klar strukturiert und auf unterschiedliche Ausgangssituationen abgestimmt.

Einstiegskurs Pflanzenfärben mit einfachen Farbsuden
Einsteiger

Einführung in die Pflanzenfärbung

Ein Tagesworkshop für alle, die ohne Vorkenntnisse beginnen möchten. Wir kochen gemeinsam zwei Farbsude, beizen Wolle mit Alaun und färben erste Probestücke. Am Ende nehmen Sie Ihr eigenes gefärbtes Stück mit nach Hause.

  • Ganztägig (ca. 6 Stunden)
  • Bis zu 8 Teilnehmende
  • Materialien inklusive
Anfragen
Fortgeschrittener Kurs zum Färben von Leinen und Wolle
Vertiefung

Leinen und Wolle im Vergleich

Dieser Kurs untersucht den Unterschied zwischen tierischen und pflanzlichen Fasern beim Pflanzenfärben. Warum nimmt Wolle die Farbe so viel leichter auf? Welche Vorbehandlung braucht Leinen? Praktische Experimente mit identischen Farbsuden auf beiden Fasern.

  • Ganztägig (ca. 7 Stunden)
  • Bis zu 8 Teilnehmende
  • Fasern inklusive
Anfragen

Was Norddeutschlands Wälder und Gärten hergeben

Die Region rund um Oldenburg bietet eine erstaunliche Vielfalt an natürlichen Farbstoffen. Viele davon waren bis ins 20. Jahrhundert hinein fester Bestandteil der regionalen Textilfärberei.

In unseren Kursen arbeiten wir ausschließlich mit Materialien, die sich in der näheren Umgebung finden lassen oder die traditionell aus dem norddeutschen Raum stammen. Das ist keine romantische Geste, sondern hat einen praktischen Grund: Sie sollen das Gelernte zu Hause fortsetzen können.

Kursangebot ansehen

Eichenrinde

Warm-braune bis goldene Töne. Enthält viel Tannin und dient gleichzeitig als natürliche Beize.

Birkenblätter

Zarte Gelbtöne bis Olivgrün. Die Ernte im Frühsommer gibt die intensivsten Farben.

Schwarzerlenrinde

Tiefes Schwarzbraun bis Grauschwarz. Eines der wenigen heimischen Materialien für dunkle Farbtöne.

Walnussschalen

Kräftiges Braun ohne Beize. Die grünen Außenschalen geben intensive, dauerhafte Farben.

Verschiedene Rinden und Holzspäne für die Pflanzenfärbung Natürliche Farbpalette aus heimischen Pflanzen und Hölzern

Von der Rinde zur gefärbten Faser

Material aufbereiten

Rinden werden in Stücke gebrochen, Holzspäne zerkleinert. Das Material weicht über Nacht in kaltem Wasser ein, damit die Farbstoffe beim Kochen besser ausgewaschen werden.

Farbbad kochen

Das eingeweichte Material wird langsam erhitzt und je nach Pflanze zwischen einer und drei Stunden geköchelt. Die Flüssigkeit nimmt dabei die Farbstoffe auf.

Faser beizen

Die vorbereiteten Fasern werden in einem Beizbad behandelt. Die Beize öffnet die Faser und sorgt für eine chemische Bindung mit dem Farbstoff.

Färben und dokumentieren

Die gebeizte Faser zieht im Farbbad ein. Die Farbtiefe hängt von Temperatur, Zeit und der Menge des Pflanzenmaterials ab. Jedes Ergebnis wird dokumentiert.

Kursanfragen und Informationen

Sie haben Fragen zu unseren Kursen, möchten einen Termin anfragen oder sich über Inhalte informieren? Schreiben Sie uns oder rufen Sie an. Wir antworten auf alle Anfragen persönlich.

Adresse Huntestraße 5, 26135 Oldenburg

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